Pferdeantilopen im Grasland des Nyika National Park

Alle Fotos – wenn nicht anders angegeben – von Ulrike Wizisk

Das Grasland im Nyika National Park (Malawi)​

Wichtig  zu wissen: Unsere Reise fand im September statt (im Jahr 2018). Zu anderen Jahreszeiten findet man natürlich andere Pflanzen. Auch kann es zwischen den Jahren Abweichungen geben. Außerdem hatte unsere Tour einen ornithologischen Schwerpunkt, so dass das Botanisieren nur eine „Nebenbeschäftigung“ war, und unsere einheimischen Führer waren auch keine Experten für die Flora.

Was ist eigentlich ein Grasland?

Unter Grasland versteht man in der Vegetationskunde ein Gebiet, in dem auf natürliche Weise – also ohne Eingriff des Menschen – keine oder nur sehr wenige Büsche und Bäume wachsen können. In der Regel ist es zu kalt oder zu trocken, dass größere, verholzende Pflanzen sich entwickeln können. Es kann aber auch andere Gründe für fehlenden Baumbewuchs geben, wie z.B. regelmäßige Überschwemmungen. Vielfach kann bei der Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte von Grasländern nicht mehr festgestellt werden, ob auch menschlicher Einfluss eine Rolle gespielt hat, z.B. durch Abholzen von Wäldern.

In Afrika bezeichnet man weite Grasgebiete überwiegend als Savannen (wenn es noch Bäume gibt: Baumsavanne) – allerdings wird der Begriff meist auf die Landschaften in tieferen Regionen angewandt. Die Savannenregionen Afrikas beginnen dort, wo es zu wenig Regen (unter 400 mm im Jahr) für Wälder gibt, und gehen schließlich in die noch trockeneren Wüstengebiete über. (Mehr zu Savannen siehe Liwonde National Park)

Die grasbewachsenen Ebenen auf dem Nyikaplateau bekommen mehr Niederschlag über das Jahr (800 – 1000 mm), doch aufgrund der kühlen Höhe (afromontane Klimazone) sind auch hier die Bedingungen für Baumwuchs nicht gegeben. Häufige Brände (Blitzschlag, heute auch kontrolliert gelegt) bevorzugen ebenfalls die schnellwachsenden Kräuter gegenüber mehrjährigen Pflanzen. Große Pfanzenfresser halten zusätzlich die Vegetation kurz, sie erhalten sich so ihren Lebensraum selbst.

Das Nyika-Grasland

Weites Grasland des Nyika National Park, im Hintergrund kontrolliert brennende Flächen

Zur Reisezeit im September war das dominierende Gras überall schon verwelkt und überzog das Land wie ein brauner Teppich. Es handelt sich dabei vornehmlich um Arten der Pflanzengattungen Loudetia und Andopogon, weshalb man von der Lodetia-Andopogon-Pflanzengesellschaft spricht. Die Grasflächen werden durch das Nationalpark-Management nach und nach abgebrannt, um vorzubeugen, dasss ggf. durch Blitzschlag entstandene natürliche Feuer außer Kontrolle geraten und unter Umständen die ökologisch wertvollen Waldgebiete in Mitleidenschaft ziehen. Diese würden sich zwar auch – in vielen Jahren – wieder regenerieren, aber da Nationalparks immer nur einen kleinen Teil der typischen Landschaft einer Region schützen können, ist es sinnvoll mit solchen Schutzmaßnahmen sanft in die natürlichen Prozesse einzugreifen.

Abgebrannte Fläche im Grasland
Frisch sprießendes Gras

Das nach einem Brand schnell frisch nachwachsende Gras bietet eine gute Nahrung für die vielen Pflanzenfresser, die sich dann nicht auf Futtersuche aus dem Nationalpark hinaus in ungeschütze Gebiete bewegen müssen – ein weiterer wichtiger Zweck des kontrollierten Abbrennens.

Bevor die Grashalme wieder hochwachsen, entfaltet sich eine erstaunliche Vielfalt an bunten Blumen. Probleme bereitet der aus Europa eingeschleppte Adlerfarn. Er lässt sich nicht durch das Abbrennen eindämmen. Er beinträchtigt einheimische Pflanzen durch sein schnelles Wachstum in dichten Beständen, bietet aber andererseits auch Schutz für diverse Tierarten und dient als Nahrung.

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Unsere SAFARIS auf dem Nyika Plateau (Unser Birding: 09.09. bis 11.09.2018)

Die großen Gras-/Pflanzenfresser auf dem Nyika-Plateau

Beschreibungen der beobachteten Arten in der Malawi-Säugetierliste Teil 2; Fotos dort und in der Galerie unten, Bestimmungstipps in der Liste.

In der den afromontanen Grasländern gibt es nicht so ein immense Ansammlung von Tieren wie in den Savannen des Tieflands, aber die etwa wie ein schlankes Rind großen Elenantilopen (Taurotragus oryx)  ziehen in Gruppen von einigen hundert Tieren über das Nyika-Plateau. Meist sind die Tiere gemächlichen Schrittes unterwegs und suchen vorwiegend dort ihre Nahrung, wo auf abgebrannten Flächen der Pflanzenwuchs sich wieder entwickelt. Man findet sie weniger auf reinen Grasflächen, denn eigentlich sind diese Antilopen eher Laubfresser.

Die ebenfalls großen Pferdeantilopen (Hippotragus equinus) (etwa wie ein kleines Pferd) halten sich gerne in Bereichen mit etwas Bewaldung auf und bevorzugen die Nähe von Wasserstellen. Meist treten sie in Trupps von etwa 20 – 30 Tieren auf. Man erkennt sie recht leicht an den schwarz-weißen Gesichtern und den innen ebenfalls weißen Ohren.

Die recht zierlichen Großriedböcke (Redunca arundinum) (etwa wie ein Reh) sind typische Bewohner der offenen Grasflächen ohne jeglichen Baumbewuchts. Da ihr Lebensraum keinerlei Deckung bietet, können sie mit großer Geschwindigkeit fliehen, wobei sie oft große Springe vollführen.

Wie ihr Name schon sagt, bevorzugen Buschböcke (Gattung Redunca) (etwa wie ein kräftiges Reh) Habitate mit Gebüsch, das ihnen Deckung bietet. Da Buschwerk auf dem Nyika-Plateau aber eher selten ist, sieht man die Tiere auch regelmäßig in der offenen Landschaft. Allerdings bevorzugen sie Bereiche mit höherer Vegetation. Buschböcke sind meist einzeln unterwegs.

Zebras (Crawshay-Zebra – Equus quagga crawshayi) haben wir meist in der Umgebung von großen, kahlen Felsformationen gesehen, aber das könnte auch Zufall gewesen sein, weil vielleicht gerade dort das Nahrungsangebot am reichhaltigsten war. Die Tiere streifen in kleinen Gruppen über das Plateau.

Warzenschweine (Phacochoerus africanus) sieht man ab und an wie sie auf den Knien hockend das Gras abfresssen.

Beutegreifer und weitere Säugetiere auf dem Nyika-Plateau

Beschreibungen der beobachteten Arten in der Malawi-Säugetierliste Teil 1; Fotos dort und in der Galerie unten, Bestimmungstipps in der Liste.

Große Raubtiere sieht man selten auf den Safaris, wir konnten während einer Nachtexkursion eine Tüpfelhyäne und einen Streifenschakal sichten. Auch ein Buschhase tauchte im Schein der Lampen auf.

Vögel der weiten Grasflächen

Beschreibungen der beobachteten Vögel in der Malawi-Vogelliste (VL), direkte Links zum jeweiligen Teil der Liste hinter den Artnamen im Text. Fotos in der Galerie unten und in der Vogelliste, dort auch Bestimmungstipps.

Die im September 2018 durchgeführte Reise hatte einen ornithologischen Schwerpunkt und so hatten wir natürlich – trotz des eindrucksvollen „Großwilds“ – bei den Safaris im Nationalpark immer die Vogelwelt im Fokus. Das Birden auf den weiten Flächen ist schwieriger als man denkt. Die meisten dort lebenden Arten sind klein, haben ein gutes Tarngefieder und eine große Fluchtdistanz. Ein gutes Fernglas und ein „gutes Auge“ sind Voraussetzung für das Beobachten. Zum Fotografieren benötigt man eine große Brennweite. Leider flimmert oft die Luft, was sich dann auf den Fotos durch eine gewisse Unschärfe bei den Aufnahmen bemerkbar macht.

Rotflügelfrankoline (Scleroptila levaillantii) (VL1) halten sich gerne zwischen den etwas höheren Grashalmen auf.

Die „Jackson-Trappe“ (Neotis denhami jacksoni, engl. Jacksons’s Bustard) (VL1) ist der größte Vogel, der uns im Grasland begegnete, leider auf große Entfernung. Die männlichen Tiere können bis 1 m lang werden und bis 10 kg schwer.

Der Temminckrennvogel (Cursorius temminckii) (VL2) ist ein unruhiger Geselle der offenen Landschaft. Bei seiner Suche nach Nahrung (vornehmlich im Boden lebende Termiten) ist er flink unterwegs, läuft schnell ein Stück und stoppt dann oft abrupt, pickt nach Beute und rennt weiter. Auch bei Gefahr macht er sich eher zu Fuß davon, als dass er auffliegt.

Ein unscheinbarer, zwischen braunem Gras hervorragend getarnter Vogel ist die Kurzhaubenlerche (Mirafra africana nyikae) (VL7).

Ebenso gut getarnt ist der Zimtspornpieper (Anthus cinnamomeus) (VL7). Es ist der „Allerweltsvogel“ des Graslands und im Nyika National Park recht häufig. Man sieht ihn recht häufig auf erhöhten Ausgucken (Termitenhügel, Felsen). Er bevorzugt Gebiete mit kurzem Gras, gerne auch die kürzlich abgebrannten Flächen.

Überwiegend in Gebieten mit etwas Buschwerk oder Bäumen hatten wir folgende Sichtungen:  Geierrabe (VL4), Njombezistensänger (Cisticola njombe mariae) (VL5), Zimtbuschsänger (Bradypterus cinnamomeus nyassae),  Senegalbrillenvogel (Zosterops senegalensis) (VL5) , Stahlschwalbe (Hirundo atrocaerulea)(VL5), Baglafechtweber (VL7), Kaprötel (VL6), Hartlaubschnäpper (VL6), Bergdrongoschnäpper (VL6), Reichenowweber (VL7), Whytigirlitz (VL7).

Gelbschnabel-Madenhacker (Buphagus africanus) (VL5) sitzen oft auf den Antilopen.

An Greifvögeln (VL3) fielen uns Froschweihe (Circus ranivorus), Augurbussard (Buteo augur), Rotbauchsperber (Accipiter rufiventris) auf.

Bildergalerie Nyika-Grasland: Die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden. Dann erhält man auch mehr Infos zu den Bildern. – Fotos Ulrike Wizisk