Flusspferde im Shire

Alle Fotos – wenn nicht anders angegeben – von Ulrike Wizisk

Der Shire und seine Ufer im Liwonde National Park (Malawi)

Wichtig  zu wissen: Unsere Reise fand im September statt (im Jahr 2018). Während dieser Tour sind alle Fotos entstanden. Zu anderen Jahreszeiten sieht es hier natürlich ganz anders aus. In der Regenzeit sind große Bereiche des Flussufers überschwemmt.

Ufer des Shire mit Röhricht und anderer im Wasser stehender Vegetation, dahinter ein Streifen Grasland und halbimmergrünem Galeriewald

Der Shire-Fluss (wird in etwa wie „Schiere“ ausgesprochen; [ʃiːɹɛ]) windet sich durch seine flache Schwemmebene, dabei verändert er stetig seinen Verlauf. Kleinere Veränderungen kann man schon nach jeder Regenzeit feststellen, wenn sich z.B. Sandbänke verlagern oder einige steile Ufer abgestürzt sind. Größere Verlagerungen der Flusswindungen finden innerhalb von Hunderten/Tausenden Jahren statt. Der gesamte Liwonde National Park – abgesehen von einigen höheren Erhebungen – befindet sich in der Schwemmebene des Shire. (mehr zur Schwemmebene hier).

Das Ufer des Shire wird fast durchgehend von einem halb-immergrünem Galeriewald, dessen auffälligste Baumart die Gelbrinden- oder Fieberakazie mit ihren hellen Stämmen ist. Er zeichnet sich zudem durch einen dichten Unterwuchs aus und bildet so vielfach eine undurchdringliches Dickicht. Vorgelagert ist meist ein schmaler Streifen von flachem Grasland. Direkt am Wasser wachsen Röhricht und andere Wasserpflanzen.

An flachen Uferbereichen, wo das Wasser recht langsam fließt, wachsen im Wasser stehende Pflanzen, teils mit Schwimmblättern, auch gibt es teilweise Röhrichtbestände. daran schließt sich vielerorts ein schmaler, flacher Grasstreifen an, der bei Hochwasser zuerst überschwemmt wird und bei sinkenden Wasserstand als letztes wieder trocken fällt. Dort wächst auch in der Trockenzeit noch frisches Grün. am Flussufer nutzen viele Tierarten zur Nahrungsaufnahme, denn hier wächst auch in der Trockenzeit noch frisches Grün und es gibt Insekten und andere Kleintiere als Beute.

Der dahinter liegende Galeriewald steht oftmals erhöht. Hier hat sich in der Vergangenheit der Fluss offensichtlich in seine älteren Schwemmsedimente „eingegraben“.  Vielleicht hatte sich die Region durch tektonische Prozesse etwas gehoben, wodurch sich die Fließgeschwindigkeit und somit die Abtragungskraft des Wassers erhöht wurde. Vielleicht war es aber auch nur ein ganz „normaler“ Prozess bei der Verlagerung einer Flussschlinge. Nach der Ausbildung des steilen Ufers haben sich offensichtlich aber die Bedingungen wieder geändert, und es wurde neues Sediment abgelagert (die flache Grasfläche).

Flusspferde am Ufer des Shire - Im Hintergrund Galeriewald mit Doumpalmen

Mancherorts sind in den Galeriewald Doumpalmen (Hyphaene) eingestreut. Sie leiten über in die Hyphaene-Palm-Savanne, die sich etwas weiter entfernt vom Flussufer – in der Regel hinter dem Galeriewald-Streifen – unter trockeneren Bedinungen entwickelte.

Die Doumpalmen sind zwar an aride und semiaride (trockene und halbtrockene) Klimaverhältnisse angepasst, benötigen aber dennoch oberflächennahes Grundwasser, weshalb man sie meist in der Umgebung von zumindest saisononalen Flussläufen findet. Sie gehören systematisch zu den Fächerpalmen.

In einigen Bereichen reichen Termitensavannen bis an das Ufer.

Tierbeobachtungen an den Ufern des Shire

Beschreibungen der beobachteten Tierarten mit Bildern in der Malawi-Säugetierliste (S) bzw. der Malawi-Vogelliste (VL), dort auch Bestimmungstipps; vergrößerbare Fotos in der Galerie unten.

GÄNSEVÖGEL (Malawi-Vogelliste 1)
Nilgans (Alopochen aegyptiacus) – oft am Ufer auf Termitenhügeln oder Treibholz sitzend; Witwenpfeifgans (Dendrocygna viduata) – größere Gruppen am flachen Ufer oder grasbewachsenen Sandbänken; Sporngans (Plectropterus gambensis) – größere Gruppen am flachen Ufer, oft überfliegend; Glanzente (Sarkidiornis melanotos) – oft mit Witwenpfeifgänsen vergesellschaftet

STÖRCHE, IBISSE, REIHER, KORMORANE (Malawi-Vogelliste 2)
Nimmersatt (Mycteria ibis) – fischt im flachen Wasser, taucht dabei offenen Schnabel ein; Afrikanischer Klaffschnabel (Anastomus lamelligerus) – knackt mit seinem Spezialschnabel Schneckenhäuser; Sattelstorch (Ephippiorhynchus senegalensis) – fischt im flachen Wasser, taucht dabei offenen Schnabel ein, Afrikanischer Löffler (Platalea alba) – nur eine Sichtung im Park, „löffelt“ Kleingetier aus dem Wasser; Heiliger Ibis (Threskiornis aethiopicus) – stochert mit gebogenen Schnabel im Boden, meist nah am Wasser; Hagedasch (Bostrychia hagedash) – stochert mit gebogenen Schnabel im Boden, auch abseits vom Wasser, sitzt gerne etwas erhöht am Ufer, z.B. auf Treibholz oder auf Bäumen, Weißrückenreiher (Calherodius leuconotus) – nachtaktiv, sehr versteckt im Gebüsch oder Bäumen mit über das Wasser hängenden Ästen, oft an Steilufern; Nachtreiher (Nycticorax nycticorax)dämmerungsaktiv, tagsüber in Gruppen in Bäumen; Rallenreiher (Ardeola ralloides) – verharren oft regungslos in der Ufervegetation und stoßen dann zu; Kuhreiher (Bubulcus ibis) – nicht nur am Wasser, folgen großen Säugetieren; Graureiher (Ardea cinerea) – lauert oft regungslos am Ufer auf Beut, jagt aber auch abseits des Wassers (Kleinsäuger, Insekten); Afrikanischer Silberreiher (Ardea alba melanorhynchos), Afrikamittelreiher (Ardea intermedia brachyrhyncha), Seidenreiher (Egretta garzetta) – drei weiße Reiherarten, häufig am flachen Ufer auf Fischfang; Glockenreiher (Egretta ardesiaca) – schwarzer Reiher mit interessanter Jagdtechnik, oft in kurzer, im Wasser stehender Ufervegetation; Hammerkopf (Scopus umbretta) – jagt im flachen Wasser; Weißbrustkormoran (Phalacrocorax carbo lucidus) – Unterwasserjäger, ruht auf Bäumen, Treibholz und Termitenbauten, trocknet Gefieder mit ausgebreiteten Flügeln; Afrika-Schlangenhalsvogel (Anhinga rufa) – Unterwasserjäger, spießt Beute auf, schlangenartiger Hals, ruht auf Bäumen, Treibholz und Termitenbauten, trocknet Gefieder mit ausgebreiteten Flügeln

ganzjährig anwesende LIMIKOLEN (Malawi-Vogelliste 2)
Wassertriel (Burhinus vermiculatus) – im Uferbereich mit etwas Deckung; Stelzenläufer (Himantopus himantopus) – watet mit seinen langen Beinen im flachen Wasser
Spornkiebitz (Vanellus spinosus) – oft introckenen Bereichen, aber nicht weit entfernt vom Wasser; Goldschnepfe (Rostratula benghalensis) – Gewässernähe, nur eine Sichtung; Blaustirn-Blatthühnchen (Actophilornis africana) – läuft mit großen Füßen über Schmimmblätter
Zu den Standvögel gesellen sich im Nordwinter viele Zugvögel. Einige sind in der Vogelliste 2 beschrieben.

MÖWEN und SEESCHWALBEN (Malawi-Vogelliste 2)
Scherenschnäbel (Rynchops flavirostris) – rasten in großen Truppes am flachen Ufer mit wenig Vegetation, oft auf und landen wieder, jagen fliegend im offenen Wasser, in dem sie dabei den geöffneten Schnabel durch das Wasser „ziehen“; Graukopfmöwe (Chroicocephalus cirrocephalus), Lachseeschwalbe (Gelochelidon nilotica), Weißflügelseeschwalbe (Chlidonias leucopterus) – alle drei oft zwischen den Scherenschnäbeln

GREIFVÖGEL (Malawi-Vogelliste 3)
Afrikanische Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer) – am Fluss allgegenwärtig, gesellig, in Bäumen ruhend, jagt Fische auf der offenen Wasserfläche; ruft häufig; weitere Greife in der Vogeliste beschrieben, nicht unbedingt ans Wasser gebunden, einige aber ggf. auch am Fluss zu beobachten (z.B. überfliegend)

HORNVÖGEL (Malawi-Vogelliste 3)
Südlicher Hornrabe“ (Bucorvus leadbeateri) – eigentlich ein Vogel der Trockenbiotope, aber auch auf den Grasflächen am Ufer des Shire zu sehen; ggf. auch weitere Hornvogelarten ab und an in Flussnähe zu beobachten (z.B. wenn Bäume nahe am Ufer stehen)

EISVÖGEL (Malawi-Vogelliste 3)
Haubenzwergfischer (Corythornis cristatus) –  Ansitz oft im Schilf auf umgeknickten Halmen; Riesenfischer (Megaceryle maxima) – auf Bäumen und Büschen (mit dickeren Ästen) in Ufernähe; Graufischer (Ceryle rudis rudis) – oft gesellig auf Büschen und kleinen Bäume am Ufer, jagen rüttelnd über der offenen Wasseroberfläche; Beschreibungen weiterer Eisvögel, die nicht so sehr an Gewässser gebunden sind, in der Vogelliste

ELEFANTEN (Säugetierliste 1)
Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana) – in großen Herden, kommen zum Trinken und Baden an den Fluss

PRIMATEN (Säugetierliste 1)
Steppenpaviane (Papio cynocephalus) – oft auf den Grasflächen am Ufer, auch zusammen mit Huftieren

SCHWEINE (Säugetierliste 2)
Warzenschweine
 (Phacochoerus africanus) – oft auf den Grasflächen am Ufer
Flusspferde (Hippopotamus amphibius) – im Wasser und auf den Grasflächen am Ufer

ANTILOPEN (Säugetierliste 2)

Impalas (Aepyceros melampus) – regelmäßig am Ufer des Shire zu sehen, oft dort, wo die Termitensavanne an den Fluss grenzt
Ellipsen-Wasserbock
 (Kobus ellipsiprymnus) – charakteristische Art für den bewaldeten Uferbereich
Weitere Antilopenarten und auch Zebras und Büffel kommen sicherlich auch ab und zu zum Flussufer, um dort zu trinken und zu grasen, vornehmlich dann, wenn andere Bereiche des Park wäheren der Trockenzeit ausgedörrt sind.


KROKODILE
Nilkrokodil (Crocodylus niloticus) – 3 bis 4 Meter lange Tiere. lauern oft in Ufernähe

Bildergalerie Liwonde National Park – Shire River: Die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden. Dann erhält man auch mehr Infos zu den Bildern. – Fotos Ulrike Wizisk

Alle Fotos – wenn nicht anders angegeben – von Ulrike Wizisk