Spiegelfeinsänger (Apalis chariessa macphersoni) im Bergwald auf dem Zomba-PlateauAlle Fotos auf der Seite (wenn nicht anders angegeben) von Ulrike Wizisk

Malawi: Das Zomba-Plateau

Das Zomba-Massiv besteht vorwiegend aus Syenit, einem verwitterungsbeständigen Intrusivgestein, also erstarrtes Magma, das die Erdoberfläche nie erreicht hat. Heute ist es durch die Abtragung des umgebenen („weicheren“) Gesteins freigelegt. Das Gebirge erhebt sich mehr als 1000 Meter über das sanft gewellte Shire-Hochland südlich des Malawisees; der höchste Gipfel erreicht 2087 Höhenmeter.

Große Flächen des ca. 130 km² umfassenden Hochplateaus werden forst- oder landwirtschaftlich genutzt, doch ist der primäre Bergwald stellenweise noch erhalten und bietet seltenen Vogelarten eine Heimat.

Zur geografischen Lage siehe: Karte Malawi.

Steppenpavian (Papio cynocephalus) im Regenwald von Zomba

BIRDING HOT SPOT
Der noch weitgehend ursprüngliche Bergregenwald macht das Zomba-Plateau zu einem beliebten Ziel für Ornithologen, die dort nach den auf Waldhabitate spezialisierten Arten suchen.
Spiegelfeinsänger (Apalis chariessa macphersoni)

Der Spiegelfeinsänger [engl. White-winged Apalis] ist sicherlich der Zielvogel der meisten Ornithologen, die nach Zomba reisen. Er kommt hier in der südlichen Unterart Apalis chariessa macphersoni vor, die alles in allem dunkler ist als die Nominatform. Kaum irgendwo anders hat man so gute Chancen diesen Vogel zu beobachten wie hier. Allerdings hält er sich gerne in den hohen Baumkronen auf, was es nicht einfach macht ihn zu sichten.

Die in Malawi und im angrenzenden südlichen und östlichen Tansania sowie auf dem Mt. Chiperone vorkommende Unterart ist vollständig isoliert von der Nominatform, die in weiter nördlichen Gebieten von Tansania vorkommt.

Der Spiegelfeinsänger bewohnt diverse feuchte Waldhabitate mit Bartpflechten der Gattung Usnea, denn darin baut er sein Beutelnest. Noch gilt diese Art als nicht stark bedroht, was sich aber in der Zukunft vermutlich ändern wird, wenn nicht der Schutz solcher Wälder vorangetrieben wird.

Quelle u.a.: Ryan, P. (2020). White-winged Apalis (Apalis chariessa), version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, and E. de Juana, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.whwapa1.01

 

Schwarzkopf-Feinsänger (Apalis melanocephala)

Ebenfalls ein typischer Waldvogel ist der Schwarzkopf-Feinsänger (Apalis melanocephala) [engl. Black-headed Apalis]. Er ist aber nicht nur auf feuchte Habitate beschränkt, sondern tritt auch in Miombo-Trockenwäldern auf.

Der Schwarzkopf-Feinsänger kommt in diversen Unterarten im östlichen Afrika vor, die sich in der Farbintensität des Gefieders und in der Farbe der Iris unterscheiden. In Zomba sollte es sich um die Unterart adjacens handeln mit dunkelgrauer Oberseite und cremeweißer Unterseite.

Quelle u.a.: Ryan, P. (2020). Black-headed Apalis (Apalis melanocephala), version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, and E. de Juana, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.blhapa1.01

Sternrötel (Pogonocichla stellata ?orientalis)

Der Sternrötel (Pogonocichla stellata) [engl. White-starred Robin] ist ein Bergregenwaldvogel, der im östlichen Afrika bis in die Küstenbereiche von Südafrika verbreitet ist. Er bevorzugt Habitate mit dichtem Unterwuchs, weshalb es meist etwas mühsehlig ist, ihn vor die Kamera zu bekommen.

Die Art gliedert sich in viele Subspezies, die sich oft nur durch geringe Merkmale im Gefieder und im Gesang unterscheiden. Die in Zomba heimische Unterart ist vermutlich Pogonocichla stellata ?orientalis.

Quelle u.a.: Collar, N. (2020). White-starred Robin (Pogonocichla stellata), version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, and E. de Juana, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.whsrob1.01

Grünmantel-Bogenflügel (Camaroptera brachyura)

Der Grünmantel-Bogenflügel (Camaroptera brachyura) [engl. Green-backed Camaroptera] hält sich vornehmlich im dichten Unterwuchs von Wäldern auf, wo er oft auch am Boden und im Geäst selten über 3 m Höhe „herumspringt“ – auf der Suche nach Beute, die aus Insekten, Spinnen anderen Kleintieren besteht.

Diese Vogelart ist weniger spezialisiert auf einen bestimmten Waldtypus, weshalb sie auf dem afrikanischen Kontinent weit verbreitet und auch nicht selten ist, wobei sie wegen seine heimlichen Lebensweise bei Vogelexkursionen oft übersehen wird. Die zahlreichen Unterarten lassen sich in zwei Gruppen gliedern: eine mit grünen und eine grauen Rücken. Die in Zomba fotografierte Art gehört zu den „Grünen“.

Quelle u.a.: Ryan, P. (2020). Green-backed Camaroptera (Camaroptera brachyura), version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, and E. de Juana, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.grbcam1.01

 

Grünbülbül (Eurillas virens zombensis)

Der Grünbülbül (Eurillas virens) [engl. Little Greenbul] ein Vogel der feuchten Wälder in Afrika südlich der Sahara, bis zu einer „Grenze“, die sich durch Nord-Angola, Nord-Sambia bis nach Malawi zieht. Die Vorkommen in Zomba und Mulanje sind seine südlichsten Verbreitungsgebiete.

Die eher unscheinbar in Olivtönen gefärbte Vogelart gliedert sich in mehrere Unterarten, in Zomba und Mulanje sollte es Eurillas virens zombensis sein. Auffällig ist allerdings die relativ helle Iris des im Zomba-Wald fotografierten Vogels (was in der Literatur nirgendwo so deutlich beschrieben ist).

Quelle u.a.: Fishpool, L. and J. Tobias (2020). Little Greenbul (Eurillas virens), version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, and E. de Juana, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. https://doi.org/10.2173/bow.litgre2.01