Geierrabe im Nyika National Park – Alle Fotos auf der Seite (wenn nicht anders angegeben) von Ulrike Wizisk

Malawi Vogelliste Teil 4 (Sperlingsvögel 1)

PASSERIFORMES (Sperlingsvögel): Oriolidae (Pirole, Oriols)

Den Maskenpirol (Oriolus larvatus) [engl. Eastern Black-headed Oriole] (20-22 cm) konnten wir mehrmals in der Umgebung der Kumbali-Lodge (Karte) beobachten. Er ist mehr grünlich-gelb als der europäische Pirol. Kopf, Kehle und Brust sind schwarz. Kein Foto.

PASSERIFORMES (Sperlingsvögel): Campephagidae (Stachelbürzler oder Raupenfänger; Cuckooshrikes and allies)

Die etwa drosselgroßen Raupenfänger sind Baumbewohner, die sich vornehmlich zwischen den Blättern aufhalten, wo sie sich überwiegend von Raupen ernähren. Sie bewegen sich langsam und sind auch aufgrund ihrer meist gedeckten Farben ziemlich unauffällig und deshalb schwierig zu beobachten und noch schwieriger zu fotografieren.

Unsere Beobachtungsliste umfasst zwei Arten:

Weißbrust-Raupenfänger (Ceblepyris pectoralis oder Coracina pectoralis) [engl. White-breasted Cuckooshrike] (25-27 cm), grau-blau, Brust/Bauch weiß; Baumsavanne, Miombo-Trockenwälder; u.a. im Dzalanyama Forest

Mohrenraupenfresser (Campephaga flava) [engl. Black Cuckooshrike] (18-21 cm), männl. schwarz mit gelbem/orangenen Schnabelwinkel („Lippe“), weib. ganz anders (Tarnfarben!) in sehr unterschiedlichen Waldgebieten, aber weniger in trockenen Regionen; Mulanje Massiv

PASSERIFORMES (Sperlingsvögel): Vangidae (Vangawürger, Vanga)

Dreifarben-Brillenvanga (Prionops retzii)

Die Vangas (früher Vangawürger) sind sehr spezialisierte, an ihre Nahrung und ökologische Nische angepasste Kleinvögel, die sehr unterschiedlich aussehen können.

Den Dreifarben-Brillenvanga (Prionops retzii) [engl. Retz’s Helmetshrike] (19-24 cm) sahen wir im Mulanje Massiv. Er hält sich vor allem in feuchteren Wäldern auf, geht außerhalb der Brutzeit aber auch in trockene Bereiche. 

Den Weißschopf-Brillenvanga (Prionops plumatus) [engl. White-crested Helmetshrike] (19-25 cm, schwarzweiß mit weißem Federschopf; kein Foto) konnten wir im Liwonde National Park nachweisen. Er bevorzugt Baumsavannen und trockene Wälder, auch im Kulturland; kein Foto.

PASSERIFORMES (Sperlingsvögel): Platysteiridae (Schnäpperwürger, Wattle-eyes)

Weißflankenschnäpper (Batis molitor), männl.l.
Weißflankenschnäpper (Batis molitor), weibl.
Kinnfleckschnäpper (Batis soror), männl.

Bei den Arten der Gattung Batis (klein!) fällt die schwarze Kopfseite mit dem „stechendem“ Augen auf. Zur genauen Bestimmung ist ein Blick in das Bestimmungsbuch unerlässlich, denn die einzelnen Spezies sehen sich recht ähnlich. Man muss auf die genaue „Verteilung“ von grauen, weißen, schwarzen und ggf. bräunlichen Farben achten. Zudem gibt es Unterschiede bei den Geschlechtern. Die Weibchen haben bei vielen Arten rotbraune Gefiederpartien. Verwechsungsgefahr: Auch bei anderen Vogelfamilien gibt es Arten, die ähnliche Farben mit auffälligen Augen haben!

Der Weißflankenschnäpper (Batis molitor) [engl. Chinspot Batis] (12-13 cm) stellt nur wenige Ansprüche an sein Waldhabitat, meidet aber die dichten Blätterdächer. Wir konnten ihn u.a. in einem Miombe-Biotop bei einem spontanen Stop auf der Fahrt von Nyika zum Malawisee beobachten.

Den Kinnfleckschnäpper (Batis soror) [engl. Pale Batis, East Coast Batis] (10 cm, kein Braun an der Seite, Auge ziemlich blass) sahen wir im Mulanje Massiv, wo er eine Trigger Art für die dortige Important Bird Area (Bird Life International) ist. Er bewohnt lokal ganz verschiedene Habitate vom offenen Buschland über Miombo-Trockenwälder bis zu dichten Regenwäldern wie in Mulanje und Zomba. Anmerkung: Die Bezeichnung „Kinnfleck“ im deutschen Namen macht wenig Sinn.

Der Malawibatis (Batis capensis dimorpha oder Batis dimorpha) [engl. Malawi Batis] (12-13 cm) ist fast endemisch für Malawi, denn er ist nur in den Bergländern von Zentral- und Südmalawi nachgewiesen sowie am Mt. Namuli in Mosambik. Wir sahen ihn u.a. im Nyika-Gebiet, kein Foto.

PASSERIFORMES (Sperlingsvögel): Malaconotidae (Buschwürger, Bush-shrikes)

Schwarzmantel-Schneeballwürger (Dryoscopus cubla)
Tropenwürger (Lanarius major)
Tropenwürger (Lanarius major)
Senegaltschagra (Tchagra senegalus)

Die Buschwürger erinnern etwas an die „echten“ Würger der Familie Laniidae, wozu sie in der Vergangenheit auch gezählt wurden. Sie haben wie diese einen – mehr oder weniger ausgeprägten – Haken an der Schnabelspitze. Ihre Verbreitung ist auf Afrika und Arabien beschränkt. Sie ernähren sich vor allem Insekten, die sie überwiegend von einem Ansitz aus in der Luft oder am Boden erbeuten.

Der Schwarzmantel-Schneeballwürger (Dryoscopus cubla) [engl. (Southern) Black-backed Puffback] (16-18 cm) kommt in weiten Regionen von Subsahara-Afrika vor, spaltet sich aber in recht verschieden aussehende Unterarten auf. Alle sind schwarz-weiß gefärbt, aber die „Verteilung“ der Schwarzanteile variiert. Die helle Unterseite und das rote Auge ist aber immer vorhanden. Die in Malawi vorkommenden Vögel habe eine schwarz-weiße Oberseite. Der eigenartige Name der Art kommt daher, dass die Rückenfedern (z.B. bei der Balz) zu einem ballartigen Puschel aufgestellt werden kann („Schneeball“, „Puffback“). Man findet die Vögel in dichteren Baumsavannen und offenen Waldbiotopen, auch in stärker belaubten feuchten Wäldern und im Kulturland. Wir sahen sie in der Umgebung der Kubali Lodge und im Garten der Chinteche Lodge am Malawisee (Karte).

Beim Tropenwürger (Lanarius major) [engl. Tropical Boubou] (20-25 cm, inkl. rel. langem Schwanz) ist die Systematik wissenschaftlich nicht abgeschlossen. Die Art gliedert sich in viele Unterarten, wobei teilweise alle östlichen als Lanarius aethiopicus abgetrennt werden, andere Autoren sehen sie weiterhin als (diverse) Unterarten bzw. trennen nur die wirklich in Äthiopien (und angrenzenden Gebieten) ab. Das führt in den Bestimmungsbüchern oft zu Verwirrungen! Die in Malawi vorkommenden Vögel gehören entweder zur Unterart Lanarius major mossambicus oder Lanarius aethiopicus mossambicus je nachdem welchem Wissenschaftler man glauben will. Sie sind unterseits weiß und oberseits schwarz mit einem weißen Streifen am Flügel. Sie stellen an ihr Habitat keine sonderlichen Ansprüche. Es sollten Büsche und Bäume als Deckung vorhanden sein. So findet man sie sowohl in Wäldern als auch in offenen Landschaften. Unsere Beobachtung war im Liwonde National Park.

Den Senegaltschagra (Tchagra senegalus) [engl. Black-crowned Tchagra] (18 cm) findet man in allerlei Biotopen, in denen es Grasflächen und Bäume gibt, sehr oft im Kulturland. Allerdings ist er durch sein bräunliches Gefieder gut getarnt und nicht so leicht zu entdecken. Er ist in Subsahara-Afrika weit verbreitet, auch in einer isolierten Population in Marokko und Atlasländern; viele Unterarten. Unsere Beobachtung: Chinteche Lodge (Karte) am Malawisee

Weitere Beobachtung blieben ohne „Fotobeweis“:

Brubruwürger (Nilaus afer) [engl. Black-crowned Tchagra] (19-25 cm), schwarz-weiß mit Rotbraun an der Flanke, weibl. ganz anders mit Gelbtönen (Bestimmungsbuch!!); Bäume mit großen Blättern; Liwonde National Park.

Orangebrustwürger (Chlorophoneus sulfureopectus oder Telophorus sulfureopectus) [engl. Orange-breasted Bush-shrike oder Sulphur-breasted B.] (19 cm), gelb-oliv-grau, männl. mit orangener Brust); Biotope mit dicht beblätterten Bäumen; Kumbali Lodge (Karte)

Füllebornwürger (Laniarius fuelleborni) [engl. Fülleborn’s Boubou (19-25 cm), ganz schwarz, Wälder und Offenland mit Bäumen in höheren Lagen; nur begrenztes Verbreitungsgebiet entlang des Grabenbruchs (Rift Valley) in Malawi und Tansania und Grenzgebieten zu benachbarten Staaten; Nyika National Park

PASSERIFORMES (Sperlingsvögel): Dicruridae (Drongos)

Trauerdrongo (Dicrurus adsimilis); SÜDAFRIKA

Der Trauerdrongo (Dicrurus adsimilis) [engl. Fork-tailed Drongo] (23-26 cm) ist im südlichen und östlichen Afrika allgegenwärtig, sobald wenigstens einige Bäume vorhanden sind. Besonders im Kulturland sieht man ihn häufig. Dichte Wälder meidet er. Er jagt von einem Ansitz aus nach Insekten und anderen Kleintieren, die er im Flug oder am Boden fängt. Obwohl wir die Vögel fast täglich sahen (außer im Liwonde National Park), entstand kein Foto während dieser Reise. Die Vögel sind völlig schwarz, auch das Auge ist dunkel, auffallend ist der Gabelschwanz.

PASSERIFORMES (Sperlingsvögel): Laniidae (Würger)

Weißflankenschnäpper (Batis molitor), männl.l.
Nördlicher Fiskalwürger (Lanarius humeralis)

Würger wirken etwa wie „Mini-Greifvögel“, und tatsächlich jagen sie wie diese z.B. Gliedertiere, Jungvögel, Kleinsäuger und Reptilien. Dazu haben sie einen Spezialschnabel mit einem Haken an der Spitze („Würgerzahn“). Unverdauliche Reste ihrer Nahrung würgen sie als Speiballen wieder aus, deshalb der Name. Sie leben allesamt in offeneren Landschaften, einige auch in lichten Wäldern. Oft sieht man sie exponiert auf einem Ast sitzen, von denen sie sich auf ihre Beute stürzen. Einige Arten spießen nicht gleich verzehrte Nahrungsreste auf Dornen als Vorrat. 

Der auch in Deutschland vorkommende Neuntöter (Lanius collurio) [engl. Red-backed Shrike] (17-19 cm) tritt in Malawi als Wintergast auf, war aber während unserer Reise im September wohl noch nicht anwesend. Der im südlichen Eurasien beheimatete Schwarzstirnwürger (Lanius minor) [engl. Lesser Grey Shrike] (19-23 cm) kann auch im (Nord-)Winter auftreten, ist dann aber eher Durchzügler auf dem Weg weiter nach Süden.

Wir der Name schon vermuten lässt ist der bräunliche Miombowürger oder auch Rostmantelwürger (Lanius souzae) [engl. Souza’s Shrike] eine typische Art der Miombo-Trockenwälder und so konnten wir diese Art im Dzalanyama Forest beobachten; Triggerart für die dortige Importand Bird Area.

Fiskalwürger sind in Afrika weit verbreitet und bewohnen offene Landschaften, in denen wenigstens einige Bäume wachsen. Wälder meiden sie, dafür sind sie zahlreich im Kulturland zu finden. Früher wurden sie als Common Fiscal, der „gewöhnliche Fiskalwürger“, als eine Art geführt, die dann aufgesplittet wurde. Der Nördliche Fiskalwürger (Lanius humeralis) [engl. Northern Fiscal] (21-23 cm) ist mehr oder weniger in den Ländern entlang des Großen Grabenbruchs von Äthiopen bis nach Sambia und Mosambik verbreitet. Dazu gibt es eine westliche Population in den Regionen Westafrikas von Guinea bis nach Angola. Der Südliche Fiskalwürger (Lanius collaris) [engl. Southern Fiscal] (21-23 cm. aber eher kleiner als der nördliche) ist im südlichen Afrika (RSA und benachbarte Länder) fast überall häufig. In Malawi kommt vornehmlich die nördliche Art vor, die südliche ist nur lokal nachgewiesen. Sie unterscheiden sich in der Hauptsache durch ihre Lautäußerungen. Die Splittung der Spezies erfolgte letzendlich durch DNA-Untersuchungen.  Wir konnten die Fiskalwürger fast „überall“ auf unserer Tour beobachten, nur im Liwonde National Park sind sich uns nicht aufgefallen.

PASSERIFORMES (Sperlingsvögel): Corvidae (Rabenvögel)

Schildrabe (Corvus albus)
Schildrabe (Corvus albus)
Geierrabe Corvus albicollis)

Die größten aller Singvögel sind mit zwei Arten in Malawi vertreten. Der Schildrabe (Corvus albus) [engl. White-necked Raven] (45 cm) ist in Afrika südlich der Sahara allgegenwärtig und stellt – ähnlich wie „unsere“ Krähen wenig Ansprüche an das Habitat und ist ein Allesfresser. Wir sahen ihn ständig auf unserer Reise, lediglich im Liwonde Park ist er uns nicht aufgefallen.

Der große Geierrabe (Corvus albicollis) [engl. White-necked Raven] (50-56 cm !!!) mit dem mächtigen Schnabel ist ein Vogel des höheren Berglandes bis in die afroalpinen Zonen. Auch er ist ein Allesfresser, bevorzugt aber Aas (deshalb wohl der dt. Name). Wir sahen ihn im Nyika National Park.